Mo(ve)ments - wie entstand die Idee?
Als Kulturanthropologin beschäftigte ich mich intensiv mit den Religionen der Welt, den Tänzen der Kulturen und spirituellen Riten, besonders solchen, in denen der Körper, der tanzende Körper, eine transformierende Rolle spielt. Vergleichende Tanzforschungen - siehe: Hanna, Judith Lynne: "To dance is human, a theory of nonverbal communication", Univ. of Chikago, 1987, uva., wie auch meine eigenen Forschungen in NW-Zambia zur Mädcheninitiation bei den Luvale* und den damit verbundenen Körperhaltungen und Tanzformen ergaben einen signifikanten Zusammenhang zwischen Körper, Körpersprache, Körperhaltung, Tanz und der Psyche eines Menschen sowie dessen Sozialisation.
Diese Forschungen fließen in meine Unterrichtspraxis mit ein, wobei ich gegenwärtig besonders die spirituelle Dimension von Tanz und Meditation in Einklang bringe.
Jede/r Profi- Tänzer/in nützt die "Zentrale" als Quelle für Kraft, Stabilität und den Ausdruck von Schönheit. In der Meditation, im Tai Chi/Qi Gong wäre es das "Hara" oder das "Tan Tien", Balinesische TänzerInnen, indische Tanzkunst, BallettänzerInnen, Kampfsportarten, sie alle arbeiten aus der Mitte. Was ist also diese geheimnisvolle, unsichtbare Kraft dort in der Mitte, welche beeindruckende Meisterleistungen und tiefe Ruhe ermöglicht?
In meinen Meditationskursen finden wir die Antwort in individueller Erfahrbarkeit, in Bewegung und Stille.
Es gibt Formen des Tanzens, welche per se spirituell sind, wie etwa der Sufi-Dreh-Tanz der Derwische, oder balinesische Tänze, indische Tänze, uvm., welche kosmisches im Gleichgewicht zu erhalten bestrebt sind, Hingabe an GöttInnen pflegen, Verbundenheit zelebrieren, usw.
Moderne Formen, die auch jeder Laie üben kann, betonen mehr die individuelle spirituelle Entwicklung, Selbst-Erfahrung, sanfte Öffnung hin zu Transformation und Bewusstheit. Hier wären die dynamischen Meditationen von Osho zu nennen, wie auch z.B. Heart Chakra von Karunesh, die Meditation der 4 Himmelsrichtungen nach Jabrane Sebnat, u.a.
Tanz und Meditation verschmelzen zu einer Praxis, die immer die "Mitte" das "Hara" stärken, das Herz öffnen, die Sinne verfeinern und das Bewusstsein erweitern. Von Anfang an dienen auch die modernen Formen dem kosmischen Gleichgewicht und "zum Besten aller Wesen". Ich finde, ein gutes Maß an Bodhicitta ist für's Meditieren ebenso essentiell wie gute Erdung.
Warum verbinde ich Meditation gerne mit Tanz?
Wieviel freie, getanzte Bewegung findet wohl im Allgemeinen in unserem westlichen Zivilisations-Alltag statt? Ich meine Bewegung, die keiner Gesetzmäßigkeit folgt, Bewegung, die dem Körper Gelegenheit gibt, in diesem Augenblick spielerisch einfach mal zu tun was gerade entsteht? Ich denke, sehr wenig. Freies Tanzen ist aber, besonders auch Barfuß, eine enorm befreiende, erdende, durchlässig machende Praxis. Wir können nach Musik frei tanzen oder rein dem inneren Impuls folgen. Ergebnis ist immer eine verbesserte Sensibilität, Körperwahrnehmung, Selbst-Wahrnehmung, erhöhter Chi-Fluss, Lockerung, kreativer Ausdruck, Freude, Erweiterung der Bewegungs-Grenzen und - last not least- zur Vorbereitung auf ein Meditieren im Sitzen: Reduktion der Denkaktivität, Stärkung der Mitte, befreiter Atem.
Bizarrste Tanzformen können entstehen, da es im Mo(ve)ments völlig egal ist, wie dein Tanz aussieht. Locker kann es werden, leichtfüßig, froh und kraftvoll, sanft und lieblich, was in dir gerade da ist, was dich ausdrückt und im Tanz zu erlebter Energie wird.
Erdung ist in der Meditation von zentraler Bedeutung. Durch Mo(ve)ments ist sie garantiert immer vorhanden.
Energie lenken - offenes Gewahrsein:
Tanz und Meditation haben viele Parallelen. In beidem kann man Energie und Focus bewusst lenken oder in offenem Gewahrsein nur Beobachter bleiben, in beidem lernt man sich selbst besser kennen, in beidem kann man Dimensionen jenseits des Beschreibbaren erfahren, beides reduziert Stress, in beidem sind Körper - Seele und Geist (oder alle Koshas) in energetischer Interaktion mit dem Ziel der Balance. Und beides öffnet neue Wege und Möglichkeiten der menschlichen Entfaltung und des bewussten Umgangs mit dem Leben, wie es jetzt gerade ist.
*Eva Rauter: "Litungu lya Mwali" - die weibliche Initiation bei den Luvale in NW- Zambia", Wien, 1990,
Eva Rauter: "Das Mädchen lernt tanzen - die weibliche Initiation bei den Luvale", in: Van de Loo, Reinhart (HG): Kinder. Ethnologische Forschungen in 5 Kontinenten, Trikster Verlag, München 1993